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Ratgeber 16 Minuten

EU AI Act: Risikoklasse einordnen — Entscheidungsbaum bis 2. August 2026

EU AI Act für KMU: 4-Stufen-Entscheidungsbaum mit Beispielen. HR-Scoring, Bewerber-Screening und Bonitätsprüfung sind Hochrisiko – viele wissen das nicht.

EU AI Act: Risikoklasse einordnen — Entscheidungsbaum bis 2. August 2026

EU AI Act: Risikoklasse einordnen — Entscheidungsbaum bis 2. August 2026

Am 2. August 2026 beginnt die aktive Durchsetzung des EU AI Act (Verordnung (EU) 2024/1689) für Hochrisiko-KI-Systeme. Bis dahin müssen Unternehmen, die solche Systeme einsetzen oder anbieten, ihre Compliance-Strukturen aufgebaut haben. Doch viele KMU wissen nicht, dass alltägliche Anwendungen – Mitarbeiter-Screening per KI, Bewerber-Auswahl per Algorithmus, automatisierte Bonitätsprüfungen – in die Hochrisiko-Klasse fallen.

Dieser Guide liefert Ihnen einen strukturierten 4-Stufen-Entscheidungsbaum zur Einordnung Ihrer KI-Systeme in die Risikoklassen des EU AI Act. Er zeigt konkrete KMU-Beispiele pro Stufe, erklärt die Pflichten, Strafen und gibt eine pragmatische Roadmap für die Vorbereitung auf den 2. August 2026.

Wichtiger Hinweis: Dieser Guide gibt Ihnen einen strukturierten Überblick und eine erste Einordnung. Die abschließende rechtliche Klassifizierung eines konkreten KI-Systems sollte mit einem auf den AI Act spezialisierten Anwalt erfolgen, insbesondere bei Grenzfällen oder mehrdeutigen Anwendungen.

Inhaltsverzeichnis

Was der EU AI Act regelt {#was-regelt-er}

Der EU AI Act ist die weltweit erste umfassende Regulierung künstlicher Intelligenz. Er trat am 1. August 2024 in Kraft und wird stufenweise angewendet:

Datum Was tritt in Kraft
2. Februar 2025 Verbot unannehmbarer KI-Praktiken, KI-Literacy-Pflichten
2. August 2025 Regeln für General-Purpose AI (Foundation Models), Sanktionen
2. August 2026 Vollständige Anwendung auf Hochrisiko-KI-Systeme (Anhang III)
2. August 2027 Anwendung auf Hochrisiko-Systeme in regulierten Produkten (Anhang I)

Der 2. August 2026 ist für die meisten KMU das relevanteste Datum. Bis dahin müssen alle Pflichten für Hochrisiko-KI-Systeme – sofern Sie betroffen sind – erfüllt sein. Die Aufsichtsbehörden in Deutschland (mehrere Stellen sind hier zuständig, abhängig vom Sektor) bauen ihre Strukturen gerade auf.

Wichtig: Der AI Act gilt für Anbieter (die KI-Systeme entwickeln oder vertreiben) und für Betreiber (die KI-Systeme im professionellen Kontext einsetzen). Auch wer ChatGPT für die HR-Auswahl einsetzt, ist „Betreiber" – und damit verantwortlich.

Die 4 Risikoklassen im Überblick {#klassen-uebersicht}

Der AI Act kennt vier Risikoklassen. Je höher das Risiko, desto strenger die Pflichten.

Klasse Was es bedeutet Anwendungen Pflichten
Unannehmbar Verboten in der EU Social Scoring durch Behörden, manipulative Emotionserkennung in Schulen/am Arbeitsplatz Komplettes Einsatzverbot
Hochrisiko Strenge Compliance-Anforderungen HR-Auswahl, Bonitätsprüfung, Bildungs-Scoring, Strafverfolgung Risikomanagement, Konformitätsbewertung, Datenhaltung, menschliche Aufsicht, Transparenz
Begrenzt Transparenzpflichten Chatbots, Deep Fakes, Emotionserkennung Klare Kennzeichnung als KI/Manipuliert
Minimal Keine besonderen Pflichten Spam-Filter, KI-Empfehlungen, generative Bilder ohne sensiblen Kontext Keine zusätzliche Pflicht; freiwillige Codes of Conduct empfohlen

Der 4-Stufen-Entscheidungsbaum {#entscheidungsbaum}

Beantworten Sie die folgenden Fragen in dieser Reihenfolge.

Stufe 1: Ist Ihre KI-Anwendung in der Verbotsliste?

Wenn Sie ein KI-System einsetzen oder anbieten, das eine der folgenden Funktionen erfüllt, ist es verboten und Sie müssen den Einsatz sofort einstellen:

  • Social Scoring durch Behörden basierend auf Persönlichkeitsmerkmalen
  • Manipulative Techniken, die das Verhalten von Personen so verändern, dass ihnen erheblicher Schaden entsteht
  • Ausnutzen von Verletzlichkeit aufgrund von Alter, Behinderung, sozio-ökonomischer Situation
  • Echtzeit-biometrische Fernidentifikation im öffentlichen Raum durch Strafverfolgungsbehörden (mit engen Ausnahmen)
  • Emotionserkennung am Arbeitsplatz oder in Bildungseinrichtungen (mit Ausnahmen für medizinische und Sicherheitszwecke)
  • Biometrische Kategorisierung nach Rasse, politischen Überzeugungen, Religion etc.
  • Predictive Policing für Individuen (basierend auf persönlichen Merkmalen)
  • Untargeted Scraping von Internet- oder CCTV-Bildern für Gesichtsdatenbanken

Wenn ja auf einen dieser Punkte: Einsatz sofort einstellen, anwaltlich beraten lassen. Wenn nein: Weiter mit Stufe 2.

Stufe 2: Fällt Ihre Anwendung unter Anhang III des AI Act (Hochrisiko)?

Anhang III listet die Bereiche, in denen KI-Systeme automatisch als Hochrisiko gelten. Wichtig: Es kommt auf die Funktion der KI an, nicht auf die Branche.

  • Biometrie: Identifikation, Verifizierung, Kategorisierung von Personen (außerhalb der Verbotsliste)
  • Kritische Infrastruktur: Steuerung von Energie-/Wassernetzen, Verkehrssteuerung
  • Bildung: Zugangsentscheidungen, Bewertung von Lernleistungen, Erkennung von verbotenem Verhalten in Prüfungen
  • Beschäftigung: Rekrutierung, Bewerber-Screening, Performance-Bewertung, Beförderungs-/Kündigungsentscheidungen
  • Wesentliche private und öffentliche Dienste: Bonitätsprüfung von natürlichen Personen (außer Betrugsbekämpfung), Risikobewertung für Lebens-/Krankenversicherungen, Notrufpriorisierung
  • Strafverfolgung: Risiko-Profiling für Strafrückfälle, Beweismittel-Auswertung
  • Migration, Asyl, Grenzkontrolle
  • Justizverwaltung und demokratische Prozesse

Wenn Ihre KI eine dieser Funktionen erfüllt: Hochrisiko. Weiter mit Stufe 3 zur Pflichtenklärung. Wenn nicht: Weiter mit Stufe 4.

Praxistipp: Die häufigste Überraschung für KMU: Bewerber-Screening und HR-Performance-Tools, die viele Unternehmen seit Jahren nutzen (z. B. integrierte KI-Funktionen in HR-Suiten), sind Hochrisiko. Wer hier ChatGPT für die Lebenslauf-Analyse einsetzt oder ein Tool wie HireVue nutzt, ist betroffen.

Stufe 3: Welche Hochrisiko-Pflichten gelten für Sie als Betreiber?

Wenn Sie ein Hochrisiko-KI-System anbieten (entwickeln, vertreiben), sind die Pflichten umfangreich – siehe Klasse 2 unten. Wenn Sie es nur betreiben (einsetzen), gelten ebenfalls Pflichten, aber andere:

  • Bestimmungsgemäße Verwendung sicherstellen
  • Menschliche Aufsicht durch geschulte Mitarbeitende
  • Konformitätserklärung und CE-Kennzeichnung des Anbieters prüfen
  • Eingangsdaten überwachen (sind sie repräsentativ?)
  • Protokolldaten aufbewahren
  • Betroffene Personen informieren, wenn KI-Entscheidungen sie betreffen
  • Bei Vorfällen den Anbieter und ggf. Behörden informieren
  • Fundamental Rights Impact Assessment (FRIA) bei bestimmten Anwendungen (öffentliche Dienste, einige private)

Stufe 4: Falls nicht Hochrisiko – Transparenzpflichten?

Selbst wenn Sie nicht in die Hochrisiko-Kategorie fallen, gibt es eine Stufe darunter:

  • Chatbots müssen als KI gekennzeichnet sein
  • Deepfakes müssen als manipuliert gekennzeichnet sein
  • Emotionserkennung / biometrische Kategorisierung muss den Betroffenen mitgeteilt werden
  • KI-generierte Inhalte müssen entsprechend gekennzeichnet sein (Audio, Video, Text)

Wenn keine dieser Funktionen vorliegt: Minimales Risiko, keine spezifischen Pflichten – aber wir empfehlen die freiwillige Einhaltung der Codes of Conduct.

Klasse 1: Unannehmbar – das ist verboten {#klasse-1}

In der Verbotszone sind acht KI-Praktiken (s. Stufe 1). Für KMU besonders relevant:

Verbotene Praxis KMU-Beispiel Was stattdessen erlaubt ist
Emotionserkennung am Arbeitsplatz KI, die anhand der Webcam Mitarbeiter-Aufmerksamkeit misst Klassische Produktivitäts-Tools ohne biometrische Analyse
Social Scoring (private Form) KI-System, das Bewerber nach „Persönlichkeit" einstuft Skill-basierte Auswahl
Manipulative Techniken Dark Pattern, das Kunden unwissentlich zu Käufen drängt Transparente Marketing-KI mit Nutzerzustimmung

Wichtiger Hinweis: Wer eines dieser Systeme einsetzt, riskiert nicht nur Bußgelder, sondern auch zivilrechtliche Klagen betroffener Mitarbeiter oder Kunden. Die Anwendung muss sofort eingestellt werden – ein Übergangszeitraum gibt es nicht.

Klasse 2: Hochrisiko – die wichtigste Kategorie für KMU {#klasse-2}

Hier liegt das Schwergewicht der Regelung. Anbieter (Hersteller) und Betreiber haben unterschiedliche Pflichten.

Pflichten für Anbieter (Hersteller von Hochrisiko-KI)

Pflicht Praxis-Bedeutung
Risikomanagement-System Dokumentierter Prozess zur Identifikation und Minderung von Risiken
Datengovernance Trainingsdaten müssen repräsentativ, vollständig und fehlerfrei sein
Technische Dokumentation Umfassende Doku des Systems, der Architektur, Tests
Logging Automatisches Logging zur Nachvollziehbarkeit
Transparenz für Betreiber Klare Bedienungsanleitung und Beschränkungen
Menschliche Aufsicht Architektur muss menschliche Eingriffsmöglichkeiten ermöglichen
Genauigkeit, Robustheit, Cybersicherheit Nachweisbare technische Qualität
Konformitätsbewertung vor Markteinführung CE-Kennzeichnung, in vielen Fällen externe Stellen einbinden
Registrierung in der EU-Datenbank Vor Markteinführung
Qualitätsmanagement-System ISO 9001 oder vergleichbar als Basis
Vorfallsmeldung Schwerwiegende Vorfälle binnen 15 Tagen melden

Pflichten für Betreiber (Einsatz von Hochrisiko-KI)

Wenn Sie ein Hochrisiko-KI-System nur einsetzen (etwa HR-Auswahltool kaufen, ChatGPT für Bewerbungsanalyse nutzen):

  • Bestimmungsgemäße Verwendung entsprechend der Anbieter-Doku
  • Menschliche Aufsicht durch ausreichend geschulte Mitarbeitende
  • Daten-Qualität sicherstellen wenn Sie Eingangsdaten bereitstellen
  • Logging des Systembetriebs
  • Beobachtung des Betriebs auf Anomalien
  • Mitarbeiter und Mitbestimmungsgremien informieren vor Einsatz am Arbeitsplatz
  • Betroffene Personen informieren (z. B. Bewerber bei KI-gestützter Vorauswahl)
  • Bei öffentlichen Dienstleistungen oder bestimmten privaten Anwendungen: Fundamental Rights Impact Assessment (FRIA)
  • Vorfallsmeldung an den Anbieter

Konkrete KMU-Beispiele für Hochrisiko-Anwendungen

KMU-Szenario Status
KI-Tool zur Vorauswahl von Bewerbungen (HireVue, SmartRecruiters mit KI-Score) Hochrisiko
ChatGPT zur Analyse von Lebensläufen und Empfehlung Hochrisiko (Betreiber-Pflichten)
KI-gestütztes Performance-Review-Tool Hochrisiko
Schufa-Bonitätsprüfung mit ML-Modell vor Kreditvergabe Hochrisiko
KI-gestützter Chatbot im Kundenservice Begrenzt (Transparenz reicht)
Microsoft 365 Copilot für Office-Tasks Minimal
ChatGPT für Marketing-Texte Minimal (Transparenz bei generierten Inhalten beachten)

Klasse 3: Begrenzt – Transparenzpflichten {#klasse-3}

Begrenztes Risiko bedeutet: Die KI-Funktion muss transparent gemacht werden. Konkret:

  • Chatbots: Kennzeichnung „Sie chatten mit einem KI-System"
  • Deepfakes: Klare Kennzeichnung als manipulierter Inhalt
  • Emotionserkennung / Biometrie: Information der Betroffenen vor Einsatz
  • KI-generierte Inhalte (Text, Bild, Video, Audio): Maschinenlesbare Kennzeichnung (Watermarks)

Verstöße werden mit niedrigeren Bußgeldern geahndet als Hochrisiko-Verstöße, aber sie können trotzdem 7,5 Mio. EUR oder 1,5 % des Jahresumsatzes erreichen.

Praxis-Hinweis: Auch wenn Sie nur einen Chatbot betreiben, der „Häufige Fragen" beantwortet, sollten Sie diesen klar als KI kennzeichnen. „Hi! Ich bin Ihr digitaler Assistent" reicht in der Regel.

Klasse 4: Minimal – keine besonderen Pflichten {#klasse-4}

Die meisten Alltags-KI-Anwendungen fallen hier rein:

  • Spam-Filter im E-Mail
  • KI-Empfehlungen im Online-Shop
  • KI-Übersetzung
  • KI-Bildretusche
  • KI-Schreibassistenten (für Marketing-Texte etc.)
  • ChatGPT für allgemeine Texterstellung

Es gibt keine spezifischen Pflichten. Die KI-Literacy-Pflicht (siehe unten) gilt allerdings unabhängig von der Klasse.

General-Purpose AI: Sonderregeln für Foundation Models {#gpai}

Foundation Models wie GPT-4o, Claude 4 oder Gemini fallen in eine eigene Kategorie. Anbieter müssen:

  • Technische Dokumentation bereitstellen
  • Urheberrechtskonformität nachweisen
  • Zusammenfassung der Trainingsdaten veröffentlichen
  • Bei „systemischem Risiko" (sehr große Modelle): zusätzliche Pflichten (Risikobewertung, Modell-Evaluierung, Schutzmaßnahmen, Cybersicherheit)

Für Sie als KMU, das diese Modelle nutzt: Sie haben Pflichten als Betreiber (s. oben), aber nicht die Anbieter-Pflichten. Wichtig ist, dass Sie die Nutzungsbedingungen der Anbieter genau einhalten.

Strafen und Zeitplan {#strafen}

Verstoß-Typ Bußgeld
Verbotene Praktiken (Klasse 1) Bis 35 Mio. EUR oder 7 % des weltweiten Jahresumsatzes (das höhere)
Pflichtverletzungen Hochrisiko-Anbieter Bis 15 Mio. EUR oder 3 % des weltweiten Jahresumsatzes
Falsche/unvollständige Informationen an Behörden Bis 7,5 Mio. EUR oder 1 % des weltweiten Jahresumsatzes

Für KMU gilt eine proportionalitätsbasierte Reduktion – Bußgelder können niedriger ausfallen als bei Großunternehmen, sind aber immer noch erheblich.

Zusätzliche Pflicht: KI-Literacy

Seit dem 2. Februar 2025 gilt für alle Unternehmen, die KI einsetzen, eine Schulungspflicht. Mitarbeiter, die KI bedienen, müssen ausreichende „KI-Literacy" haben – also verstehen, wie das System arbeitet, wo seine Grenzen liegen, wann menschliche Aufsicht nötig ist. Diese Pflicht gilt unabhängig von der Risikoklasse.

Zusammenfassung und nächste Schritte {#zusammenfassung}

Die wichtigsten Erkenntnisse:

  • Der EU AI Act unterscheidet vier Risikoklassen, nicht nur „betroffen" oder „nicht betroffen"
  • Anhang-III-Anwendungen (HR-Screening, Bonitätsprüfung, Bildung) sind automatisch Hochrisiko – auch wenn Sie nur ChatGPT dafür nutzen
  • Anbieter und Betreiber haben unterschiedliche, aber jeweils umfangreiche Pflichten
  • Die Durchsetzung der Hochrisiko-Pflichten beginnt am 2. August 2026
  • Bußgelder bis 35 Mio. EUR oder 7 % des weltweiten Umsatzes drohen
  • Die KI-Literacy-Pflicht gilt unabhängig von der Risikoklasse für alle Unternehmen

Ihre nächsten Schritte:

  1. Inventarisieren Sie Ihre KI-Anwendungen – auch eingebaute KI in HR-Tools, Office-Suiten, CRMs
  2. Klassifizieren Sie jede Anwendung entsprechend dem Entscheidungsbaum
  3. Bei Hochrisiko: Pflichten umsetzen – Risikomanagement, menschliche Aufsicht, Logging, Transparenz
  4. Verbotene Anwendungen: sofort einstellen und ggf. alternative Lösungen einführen
  5. Mitarbeitende schulen – die KI-Literacy-Pflicht gilt jetzt schon
  6. Bei Grenzfällen: Anwaltliche Beratung vor dem 2. August 2026
  7. Dokumentation aufbauen – die nächste Aufsichtsbehörde wird Doku-orientiert prüfen

Weiterführende Inhalte auf DigitalChecker.de:

  • DSFA-Vorlage für KI-Tools: ChatGPT, Copilot & Claude rechtssicher einsetzen
  • DSGVO-konforme KI: 12 Anbieter im großen Praxis-Check
  • NIS-2 Pflicht-Check für KMU

FAQ {#faq}

Wenn ich ChatGPT für die Bewerbungsanalyse nutze, falle ich automatisch unter Hochrisiko?

Ja – sobald Sie die Ergebnisse für Auswahl-Entscheidungen verwenden, sind Sie Betreiber eines Hochrisiko-KI-Systems im HR-Bereich. Die Pflichten umfassen u. a. menschliche Aufsicht, Transparenz gegenüber den Bewerbern und Dokumentation des Prozesses.

Was ist mit Open-Source-Modellen?

Open-Source-Modelle wie Llama oder Mistral sind grundsätzlich von einigen Anbieter-Pflichten ausgenommen, aber nur wenn sie in nicht-kommerziellen Kontexten verwendet werden. Sobald Sie sie kommerziell einsetzen und in Hochrisiko-Bereichen, gelten die Pflichten.

Muss ich für jede ChatGPT-Nutzung Anwender informieren?

Nur bei Chatbots und Deepfakes ist explizite Kennzeichnung Pflicht. Bei normaler ChatGPT-Nutzung im Backoffice (z. B. Texterstellung) ist das nicht erforderlich. Bei HR-Anwendung müssen Sie die Bewerber jedoch informieren.

Wie verträgt sich der AI Act mit der DSGVO?

Beide gelten parallel. Eine Hochrisiko-KI-Anwendung erfordert in der Regel auch eine Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA) nach DSGVO. Die Dokumentationen können teilweise zusammengeführt werden, ersetzen sich aber nicht.

Was passiert, wenn meine KI eine Diskriminierung verursacht?

Wenn ein Hochrisiko-KI-System Diskriminierung erzeugt (z. B. systematische Benachteiligung in der Auswahl), haftet der Betreiber. Zivilrechtliche Klagen der Betroffenen kommen hinzu zum AI-Act-Bußgeld. Das ist eine der größten finanziellen Gefahren.

Müssen wir auch für interne Tools die Pflichten umsetzen?

Ja, auch interne KI-Anwendungen unterliegen dem AI Act. Es zählt der Einsatzbereich, nicht ob das Tool öffentlich oder intern ist. HR-Screening ist intern und trotzdem Hochrisiko.

Was bedeutet KI-Literacy konkret?

Mitarbeiter müssen wissen: Was kann das KI-System? Was nicht? Wann ist menschliche Prüfung nötig? Welche Risiken gibt es? Es gibt keine vorgeschriebenen Schulungs-Curricula, aber dokumentierte Schulungen sind dringend zu empfehlen. Bei Behörden-Audits wird das geprüft.

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