EU AI Act: Risikoklasse einordnen — Entscheidungsbaum bis 2. August 2026
EU AI Act für KMU: 4-Stufen-Entscheidungsbaum mit Beispielen. HR-Scoring, Bewerber-Screening und Bonitätsprüfung sind Hochrisiko – viele wissen das nicht.

EU AI Act: Risikoklasse einordnen — Entscheidungsbaum bis 2. August 2026
Am 2. August 2026 beginnt die aktive Durchsetzung des EU AI Act (Verordnung (EU) 2024/1689) für Hochrisiko-KI-Systeme. Bis dahin müssen Unternehmen, die solche Systeme einsetzen oder anbieten, ihre Compliance-Strukturen aufgebaut haben. Doch viele KMU wissen nicht, dass alltägliche Anwendungen – Mitarbeiter-Screening per KI, Bewerber-Auswahl per Algorithmus, automatisierte Bonitätsprüfungen – in die Hochrisiko-Klasse fallen.
Dieser Guide liefert Ihnen einen strukturierten 4-Stufen-Entscheidungsbaum zur Einordnung Ihrer KI-Systeme in die Risikoklassen des EU AI Act. Er zeigt konkrete KMU-Beispiele pro Stufe, erklärt die Pflichten, Strafen und gibt eine pragmatische Roadmap für die Vorbereitung auf den 2. August 2026.
Wichtiger Hinweis: Dieser Guide gibt Ihnen einen strukturierten Überblick und eine erste Einordnung. Die abschließende rechtliche Klassifizierung eines konkreten KI-Systems sollte mit einem auf den AI Act spezialisierten Anwalt erfolgen, insbesondere bei Grenzfällen oder mehrdeutigen Anwendungen.
Inhaltsverzeichnis
- Was der EU AI Act regelt
- Die 4 Risikoklassen im Überblick
- Der 4-Stufen-Entscheidungsbaum
- Klasse 1: Unannehmbar – das ist verboten
- Klasse 2: Hochrisiko – die wichtigste Kategorie für KMU
- Klasse 3: Begrenzt – Transparenzpflichten
- Klasse 4: Minimal – keine besonderen Pflichten
- General-Purpose AI: Sonderregeln für Foundation Models
- Strafen und Zeitplan
- Zusammenfassung und nächste Schritte
- FAQ
Was der EU AI Act regelt {#was-regelt-er}
Der EU AI Act ist die weltweit erste umfassende Regulierung künstlicher Intelligenz. Er trat am 1. August 2024 in Kraft und wird stufenweise angewendet:
| Datum | Was tritt in Kraft |
|---|---|
| 2. Februar 2025 | Verbot unannehmbarer KI-Praktiken, KI-Literacy-Pflichten |
| 2. August 2025 | Regeln für General-Purpose AI (Foundation Models), Sanktionen |
| 2. August 2026 | Vollständige Anwendung auf Hochrisiko-KI-Systeme (Anhang III) |
| 2. August 2027 | Anwendung auf Hochrisiko-Systeme in regulierten Produkten (Anhang I) |
Der 2. August 2026 ist für die meisten KMU das relevanteste Datum. Bis dahin müssen alle Pflichten für Hochrisiko-KI-Systeme – sofern Sie betroffen sind – erfüllt sein. Die Aufsichtsbehörden in Deutschland (mehrere Stellen sind hier zuständig, abhängig vom Sektor) bauen ihre Strukturen gerade auf.
Wichtig: Der AI Act gilt für Anbieter (die KI-Systeme entwickeln oder vertreiben) und für Betreiber (die KI-Systeme im professionellen Kontext einsetzen). Auch wer ChatGPT für die HR-Auswahl einsetzt, ist „Betreiber" – und damit verantwortlich.
Die 4 Risikoklassen im Überblick {#klassen-uebersicht}
Der AI Act kennt vier Risikoklassen. Je höher das Risiko, desto strenger die Pflichten.
| Klasse | Was es bedeutet | Anwendungen | Pflichten |
|---|---|---|---|
| Unannehmbar | Verboten in der EU | Social Scoring durch Behörden, manipulative Emotionserkennung in Schulen/am Arbeitsplatz | Komplettes Einsatzverbot |
| Hochrisiko | Strenge Compliance-Anforderungen | HR-Auswahl, Bonitätsprüfung, Bildungs-Scoring, Strafverfolgung | Risikomanagement, Konformitätsbewertung, Datenhaltung, menschliche Aufsicht, Transparenz |
| Begrenzt | Transparenzpflichten | Chatbots, Deep Fakes, Emotionserkennung | Klare Kennzeichnung als KI/Manipuliert |
| Minimal | Keine besonderen Pflichten | Spam-Filter, KI-Empfehlungen, generative Bilder ohne sensiblen Kontext | Keine zusätzliche Pflicht; freiwillige Codes of Conduct empfohlen |
Der 4-Stufen-Entscheidungsbaum {#entscheidungsbaum}
Beantworten Sie die folgenden Fragen in dieser Reihenfolge.
Stufe 1: Ist Ihre KI-Anwendung in der Verbotsliste?
Wenn Sie ein KI-System einsetzen oder anbieten, das eine der folgenden Funktionen erfüllt, ist es verboten und Sie müssen den Einsatz sofort einstellen:
- Social Scoring durch Behörden basierend auf Persönlichkeitsmerkmalen
- Manipulative Techniken, die das Verhalten von Personen so verändern, dass ihnen erheblicher Schaden entsteht
- Ausnutzen von Verletzlichkeit aufgrund von Alter, Behinderung, sozio-ökonomischer Situation
- Echtzeit-biometrische Fernidentifikation im öffentlichen Raum durch Strafverfolgungsbehörden (mit engen Ausnahmen)
- Emotionserkennung am Arbeitsplatz oder in Bildungseinrichtungen (mit Ausnahmen für medizinische und Sicherheitszwecke)
- Biometrische Kategorisierung nach Rasse, politischen Überzeugungen, Religion etc.
- Predictive Policing für Individuen (basierend auf persönlichen Merkmalen)
- Untargeted Scraping von Internet- oder CCTV-Bildern für Gesichtsdatenbanken
Wenn ja auf einen dieser Punkte: Einsatz sofort einstellen, anwaltlich beraten lassen. Wenn nein: Weiter mit Stufe 2.
Stufe 2: Fällt Ihre Anwendung unter Anhang III des AI Act (Hochrisiko)?
Anhang III listet die Bereiche, in denen KI-Systeme automatisch als Hochrisiko gelten. Wichtig: Es kommt auf die Funktion der KI an, nicht auf die Branche.
- Biometrie: Identifikation, Verifizierung, Kategorisierung von Personen (außerhalb der Verbotsliste)
- Kritische Infrastruktur: Steuerung von Energie-/Wassernetzen, Verkehrssteuerung
- Bildung: Zugangsentscheidungen, Bewertung von Lernleistungen, Erkennung von verbotenem Verhalten in Prüfungen
- Beschäftigung: Rekrutierung, Bewerber-Screening, Performance-Bewertung, Beförderungs-/Kündigungsentscheidungen
- Wesentliche private und öffentliche Dienste: Bonitätsprüfung von natürlichen Personen (außer Betrugsbekämpfung), Risikobewertung für Lebens-/Krankenversicherungen, Notrufpriorisierung
- Strafverfolgung: Risiko-Profiling für Strafrückfälle, Beweismittel-Auswertung
- Migration, Asyl, Grenzkontrolle
- Justizverwaltung und demokratische Prozesse
Wenn Ihre KI eine dieser Funktionen erfüllt: Hochrisiko. Weiter mit Stufe 3 zur Pflichtenklärung. Wenn nicht: Weiter mit Stufe 4.
Praxistipp: Die häufigste Überraschung für KMU: Bewerber-Screening und HR-Performance-Tools, die viele Unternehmen seit Jahren nutzen (z. B. integrierte KI-Funktionen in HR-Suiten), sind Hochrisiko. Wer hier ChatGPT für die Lebenslauf-Analyse einsetzt oder ein Tool wie HireVue nutzt, ist betroffen.
Stufe 3: Welche Hochrisiko-Pflichten gelten für Sie als Betreiber?
Wenn Sie ein Hochrisiko-KI-System anbieten (entwickeln, vertreiben), sind die Pflichten umfangreich – siehe Klasse 2 unten. Wenn Sie es nur betreiben (einsetzen), gelten ebenfalls Pflichten, aber andere:
- Bestimmungsgemäße Verwendung sicherstellen
- Menschliche Aufsicht durch geschulte Mitarbeitende
- Konformitätserklärung und CE-Kennzeichnung des Anbieters prüfen
- Eingangsdaten überwachen (sind sie repräsentativ?)
- Protokolldaten aufbewahren
- Betroffene Personen informieren, wenn KI-Entscheidungen sie betreffen
- Bei Vorfällen den Anbieter und ggf. Behörden informieren
- Fundamental Rights Impact Assessment (FRIA) bei bestimmten Anwendungen (öffentliche Dienste, einige private)
Stufe 4: Falls nicht Hochrisiko – Transparenzpflichten?
Selbst wenn Sie nicht in die Hochrisiko-Kategorie fallen, gibt es eine Stufe darunter:
- Chatbots müssen als KI gekennzeichnet sein
- Deepfakes müssen als manipuliert gekennzeichnet sein
- Emotionserkennung / biometrische Kategorisierung muss den Betroffenen mitgeteilt werden
- KI-generierte Inhalte müssen entsprechend gekennzeichnet sein (Audio, Video, Text)
Wenn keine dieser Funktionen vorliegt: Minimales Risiko, keine spezifischen Pflichten – aber wir empfehlen die freiwillige Einhaltung der Codes of Conduct.
Klasse 1: Unannehmbar – das ist verboten {#klasse-1}
In der Verbotszone sind acht KI-Praktiken (s. Stufe 1). Für KMU besonders relevant:
| Verbotene Praxis | KMU-Beispiel | Was stattdessen erlaubt ist |
|---|---|---|
| Emotionserkennung am Arbeitsplatz | KI, die anhand der Webcam Mitarbeiter-Aufmerksamkeit misst | Klassische Produktivitäts-Tools ohne biometrische Analyse |
| Social Scoring (private Form) | KI-System, das Bewerber nach „Persönlichkeit" einstuft | Skill-basierte Auswahl |
| Manipulative Techniken | Dark Pattern, das Kunden unwissentlich zu Käufen drängt | Transparente Marketing-KI mit Nutzerzustimmung |
Wichtiger Hinweis: Wer eines dieser Systeme einsetzt, riskiert nicht nur Bußgelder, sondern auch zivilrechtliche Klagen betroffener Mitarbeiter oder Kunden. Die Anwendung muss sofort eingestellt werden – ein Übergangszeitraum gibt es nicht.
Klasse 2: Hochrisiko – die wichtigste Kategorie für KMU {#klasse-2}
Hier liegt das Schwergewicht der Regelung. Anbieter (Hersteller) und Betreiber haben unterschiedliche Pflichten.
Pflichten für Anbieter (Hersteller von Hochrisiko-KI)
| Pflicht | Praxis-Bedeutung |
|---|---|
| Risikomanagement-System | Dokumentierter Prozess zur Identifikation und Minderung von Risiken |
| Datengovernance | Trainingsdaten müssen repräsentativ, vollständig und fehlerfrei sein |
| Technische Dokumentation | Umfassende Doku des Systems, der Architektur, Tests |
| Logging | Automatisches Logging zur Nachvollziehbarkeit |
| Transparenz für Betreiber | Klare Bedienungsanleitung und Beschränkungen |
| Menschliche Aufsicht | Architektur muss menschliche Eingriffsmöglichkeiten ermöglichen |
| Genauigkeit, Robustheit, Cybersicherheit | Nachweisbare technische Qualität |
| Konformitätsbewertung vor Markteinführung | CE-Kennzeichnung, in vielen Fällen externe Stellen einbinden |
| Registrierung in der EU-Datenbank | Vor Markteinführung |
| Qualitätsmanagement-System | ISO 9001 oder vergleichbar als Basis |
| Vorfallsmeldung | Schwerwiegende Vorfälle binnen 15 Tagen melden |
Pflichten für Betreiber (Einsatz von Hochrisiko-KI)
Wenn Sie ein Hochrisiko-KI-System nur einsetzen (etwa HR-Auswahltool kaufen, ChatGPT für Bewerbungsanalyse nutzen):
- Bestimmungsgemäße Verwendung entsprechend der Anbieter-Doku
- Menschliche Aufsicht durch ausreichend geschulte Mitarbeitende
- Daten-Qualität sicherstellen wenn Sie Eingangsdaten bereitstellen
- Logging des Systembetriebs
- Beobachtung des Betriebs auf Anomalien
- Mitarbeiter und Mitbestimmungsgremien informieren vor Einsatz am Arbeitsplatz
- Betroffene Personen informieren (z. B. Bewerber bei KI-gestützter Vorauswahl)
- Bei öffentlichen Dienstleistungen oder bestimmten privaten Anwendungen: Fundamental Rights Impact Assessment (FRIA)
- Vorfallsmeldung an den Anbieter
Konkrete KMU-Beispiele für Hochrisiko-Anwendungen
| KMU-Szenario | Status |
|---|---|
| KI-Tool zur Vorauswahl von Bewerbungen (HireVue, SmartRecruiters mit KI-Score) | Hochrisiko |
| ChatGPT zur Analyse von Lebensläufen und Empfehlung | Hochrisiko (Betreiber-Pflichten) |
| KI-gestütztes Performance-Review-Tool | Hochrisiko |
| Schufa-Bonitätsprüfung mit ML-Modell vor Kreditvergabe | Hochrisiko |
| KI-gestützter Chatbot im Kundenservice | Begrenzt (Transparenz reicht) |
| Microsoft 365 Copilot für Office-Tasks | Minimal |
| ChatGPT für Marketing-Texte | Minimal (Transparenz bei generierten Inhalten beachten) |
Klasse 3: Begrenzt – Transparenzpflichten {#klasse-3}
Begrenztes Risiko bedeutet: Die KI-Funktion muss transparent gemacht werden. Konkret:
- Chatbots: Kennzeichnung „Sie chatten mit einem KI-System"
- Deepfakes: Klare Kennzeichnung als manipulierter Inhalt
- Emotionserkennung / Biometrie: Information der Betroffenen vor Einsatz
- KI-generierte Inhalte (Text, Bild, Video, Audio): Maschinenlesbare Kennzeichnung (Watermarks)
Verstöße werden mit niedrigeren Bußgeldern geahndet als Hochrisiko-Verstöße, aber sie können trotzdem 7,5 Mio. EUR oder 1,5 % des Jahresumsatzes erreichen.
Praxis-Hinweis: Auch wenn Sie nur einen Chatbot betreiben, der „Häufige Fragen" beantwortet, sollten Sie diesen klar als KI kennzeichnen. „Hi! Ich bin Ihr digitaler Assistent" reicht in der Regel.
Klasse 4: Minimal – keine besonderen Pflichten {#klasse-4}
Die meisten Alltags-KI-Anwendungen fallen hier rein:
- Spam-Filter im E-Mail
- KI-Empfehlungen im Online-Shop
- KI-Übersetzung
- KI-Bildretusche
- KI-Schreibassistenten (für Marketing-Texte etc.)
- ChatGPT für allgemeine Texterstellung
Es gibt keine spezifischen Pflichten. Die KI-Literacy-Pflicht (siehe unten) gilt allerdings unabhängig von der Klasse.
General-Purpose AI: Sonderregeln für Foundation Models {#gpai}
Foundation Models wie GPT-4o, Claude 4 oder Gemini fallen in eine eigene Kategorie. Anbieter müssen:
- Technische Dokumentation bereitstellen
- Urheberrechtskonformität nachweisen
- Zusammenfassung der Trainingsdaten veröffentlichen
- Bei „systemischem Risiko" (sehr große Modelle): zusätzliche Pflichten (Risikobewertung, Modell-Evaluierung, Schutzmaßnahmen, Cybersicherheit)
Für Sie als KMU, das diese Modelle nutzt: Sie haben Pflichten als Betreiber (s. oben), aber nicht die Anbieter-Pflichten. Wichtig ist, dass Sie die Nutzungsbedingungen der Anbieter genau einhalten.
Strafen und Zeitplan {#strafen}
| Verstoß-Typ | Bußgeld |
|---|---|
| Verbotene Praktiken (Klasse 1) | Bis 35 Mio. EUR oder 7 % des weltweiten Jahresumsatzes (das höhere) |
| Pflichtverletzungen Hochrisiko-Anbieter | Bis 15 Mio. EUR oder 3 % des weltweiten Jahresumsatzes |
| Falsche/unvollständige Informationen an Behörden | Bis 7,5 Mio. EUR oder 1 % des weltweiten Jahresumsatzes |
Für KMU gilt eine proportionalitätsbasierte Reduktion – Bußgelder können niedriger ausfallen als bei Großunternehmen, sind aber immer noch erheblich.
Zusätzliche Pflicht: KI-Literacy
Seit dem 2. Februar 2025 gilt für alle Unternehmen, die KI einsetzen, eine Schulungspflicht. Mitarbeiter, die KI bedienen, müssen ausreichende „KI-Literacy" haben – also verstehen, wie das System arbeitet, wo seine Grenzen liegen, wann menschliche Aufsicht nötig ist. Diese Pflicht gilt unabhängig von der Risikoklasse.
Zusammenfassung und nächste Schritte {#zusammenfassung}
Die wichtigsten Erkenntnisse:
- Der EU AI Act unterscheidet vier Risikoklassen, nicht nur „betroffen" oder „nicht betroffen"
- Anhang-III-Anwendungen (HR-Screening, Bonitätsprüfung, Bildung) sind automatisch Hochrisiko – auch wenn Sie nur ChatGPT dafür nutzen
- Anbieter und Betreiber haben unterschiedliche, aber jeweils umfangreiche Pflichten
- Die Durchsetzung der Hochrisiko-Pflichten beginnt am 2. August 2026
- Bußgelder bis 35 Mio. EUR oder 7 % des weltweiten Umsatzes drohen
- Die KI-Literacy-Pflicht gilt unabhängig von der Risikoklasse für alle Unternehmen
Ihre nächsten Schritte:
- Inventarisieren Sie Ihre KI-Anwendungen – auch eingebaute KI in HR-Tools, Office-Suiten, CRMs
- Klassifizieren Sie jede Anwendung entsprechend dem Entscheidungsbaum
- Bei Hochrisiko: Pflichten umsetzen – Risikomanagement, menschliche Aufsicht, Logging, Transparenz
- Verbotene Anwendungen: sofort einstellen und ggf. alternative Lösungen einführen
- Mitarbeitende schulen – die KI-Literacy-Pflicht gilt jetzt schon
- Bei Grenzfällen: Anwaltliche Beratung vor dem 2. August 2026
- Dokumentation aufbauen – die nächste Aufsichtsbehörde wird Doku-orientiert prüfen
Weiterführende Inhalte auf DigitalChecker.de:
- DSFA-Vorlage für KI-Tools: ChatGPT, Copilot & Claude rechtssicher einsetzen
- DSGVO-konforme KI: 12 Anbieter im großen Praxis-Check
- NIS-2 Pflicht-Check für KMU
FAQ {#faq}
Wenn ich ChatGPT für die Bewerbungsanalyse nutze, falle ich automatisch unter Hochrisiko?
Ja – sobald Sie die Ergebnisse für Auswahl-Entscheidungen verwenden, sind Sie Betreiber eines Hochrisiko-KI-Systems im HR-Bereich. Die Pflichten umfassen u. a. menschliche Aufsicht, Transparenz gegenüber den Bewerbern und Dokumentation des Prozesses.
Was ist mit Open-Source-Modellen?
Open-Source-Modelle wie Llama oder Mistral sind grundsätzlich von einigen Anbieter-Pflichten ausgenommen, aber nur wenn sie in nicht-kommerziellen Kontexten verwendet werden. Sobald Sie sie kommerziell einsetzen und in Hochrisiko-Bereichen, gelten die Pflichten.
Muss ich für jede ChatGPT-Nutzung Anwender informieren?
Nur bei Chatbots und Deepfakes ist explizite Kennzeichnung Pflicht. Bei normaler ChatGPT-Nutzung im Backoffice (z. B. Texterstellung) ist das nicht erforderlich. Bei HR-Anwendung müssen Sie die Bewerber jedoch informieren.
Wie verträgt sich der AI Act mit der DSGVO?
Beide gelten parallel. Eine Hochrisiko-KI-Anwendung erfordert in der Regel auch eine Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA) nach DSGVO. Die Dokumentationen können teilweise zusammengeführt werden, ersetzen sich aber nicht.
Was passiert, wenn meine KI eine Diskriminierung verursacht?
Wenn ein Hochrisiko-KI-System Diskriminierung erzeugt (z. B. systematische Benachteiligung in der Auswahl), haftet der Betreiber. Zivilrechtliche Klagen der Betroffenen kommen hinzu zum AI-Act-Bußgeld. Das ist eine der größten finanziellen Gefahren.
Müssen wir auch für interne Tools die Pflichten umsetzen?
Ja, auch interne KI-Anwendungen unterliegen dem AI Act. Es zählt der Einsatzbereich, nicht ob das Tool öffentlich oder intern ist. HR-Screening ist intern und trotzdem Hochrisiko.
Was bedeutet KI-Literacy konkret?
Mitarbeiter müssen wissen: Was kann das KI-System? Was nicht? Wann ist menschliche Prüfung nötig? Welche Risiken gibt es? Es gibt keine vorgeschriebenen Schulungs-Curricula, aber dokumentierte Schulungen sind dringend zu empfehlen. Bei Behörden-Audits wird das geprüft.
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